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Spende HSG


Ehrenamtspreis 2016 der rheinischen Kirche

 Das "Café International" in Büchenbeuren bekommt heute Abend in Düsseldorf den Ehrenamtspreis der evangelischen Kirche im Rheinland. Das 2014 eröffnete Café ist nach Angaben der Kirche ein Begegnungsort zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. An vier Tagen der Woche könne man sich dort kennen lernen und austauschen. Außerdem würden die Flüchtlinge dort beim Übersetzen von Formularen und Behördengängen unterstützt. Neben einem Internetcafé gibt es unter anderem Sprachkurse, Vorträge und Musikworkshops. Das Projekt werde von Ehrenamtlichen getragen, Flüchtlinge arbeiteten dort gleichberechtigt mit. Das Büchenbeurener Café International, ist nach Meinung der Jury ein lebendiger Begegnungsort und ein Projekt, das für andere Gemeinden anregend und übertragbar sei. Der Ehrenamtspreis ist mit 1000 Euro dotiert und wird zum fünften Mal verliehen.

 

Düsseldorf. Wie Jugendliche ihrem Stadtteil ein freundliches Gesicht geben, wie ein Kirchturm mit Kletterparcours Menschen in Bewegung bringt, wie Integration gemeinsam gelingt, das zeigen die drei Projekte, die die Evangelische Kirche im Rheinland heute mit ihrem Ehrenamtspreis 2016 ausgezeichnet hat. Die Kullener Helferhände aus Aachen, der Kletterturm der Matthäus-Kirchengemeinde und des CVJM Bad Kreuznach sowie das Café International in Büchenbeuren seien Beispiele dafür, was an unterschiedlichen Orten dieser Kirche Großartiges geschehe, sagte Vizepräses Christoph Pistorius, der im Landeskirchenamt die Urkunden an die Teams der drei Projekte überreichte.

 
„Es ist nicht selbstverständlich und nicht alltäglich, dass Menschen ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Ideen einbringen, um damit etwas Gutes für Andere zu bewirken“, sagte Pistorius bei der Übergabe des mit 1000 Euro pro Projekt dotierten Preises weiter. Die Preisträger stünden stellvertretend für die mehr als 113.000 Menschen in der rheinischen Kirche, die sich ehrenamtlich unter anderem in Evangelischen Büchereien, Repaircafés, Besuchsdienst- und Kochgruppen, Presbyterien und Gemeindebriefteams engagierten. „Und Sie stehen hier als Ermutigung für uns alle“, so der Vizepräses: für den Mut, gemeinsam eine Idee umzusetzen und sich dabei auch von eigenen Zweifeln nicht beirren zu lassen.

 

„Café International“ (Evangelische Kirchengemeinde Büchenbeuren)

Ein Team von Ehrenamtlichen verantwortet in Büchenbeuren auf dem Hunsrück einen ökumenisch ausgerichteten Cafébetrieb als Begegnungs- und Beratungsort für Flüchtlinge und Einheimische. Flüchtlinge arbeiten gleichberechtigt mit. Es habe mit vier geflüchteten Menschen aus Syrien begonnen, die 2013 an die Tür von Pfarrerin Sandra Menzel klopften, um sich ehrenamtlich zu engagieren und Kontakt zu Einheimischen zu finden. „Rasch wurde das Pfarrhaus zur Anlaufstelle für Alltagsprobleme und Fragen der Alt- und Neubürger. Die Idee eines offenen Treffs war geboren“, sagte Eva Hoffman von Zedlitz, Nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der rheinischen Kirche und Jurymitglied. „Heute ist das mittlerweile angemietete Café an vier Tagen pro Woche jeweils drei Stunden geöffnet.“ Es zeige auch, wie den Ängsten und Befürchtungen der Bevölkerung begegnet werden könne: durch Kontakte, Gespräche und Mut auch zu schwierigen Diskussionen. „So findet Flucht nicht im Fernsehen statt. Unser Nachbar erlebt sie mit“, sagte Hoffmann von Zedlitz.


Hauptschulabschluss

www.vhs-hunsrueck.de
https://www.vhs-hunsrueck.de

Am 22. August 2016 konnten 11 Teilnehmer des Deutschkurses mit integriertem Hauptschulabschluss nach 800 Stunden Unterricht ihr Zeugnis in Empfang nehmen.

Unsere Ministerpräsidentin nahm die Zeugnisübergabe persönlich vor und gratulierte allen Teilnehmern sehr herzlich zu diesem Erfolg. Sie betonte in ihrer Ansprache, dass Bildung für ein erfolgreiches Leben in Deutschland unabdingbar ist und dass sie hofft, dass viele der Teilnehmer nun noch eine Ausbildung absolvieren werden.

Frau Dreyer dankte in Ihrer Ansprache dem Kreis und allen Spendern, die diesen Kurs überhaupt möglich machten. Sie bedankte sich bei den ehrenamtlichen Helfern ohne die einfach alles nicht so gut laufen würde und natürlich auch bei allen Lehrkräften der VHS Hunsrück, die eine engagierte und fachlich gute Arbeit geleistet haben.

Sie wünschte alle Teilnehmern für ihren weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute und der VHS Hunsrück viel Erfolg bei der weiteren Integrationsarbeit.

 

Quelle: https://www.vhs-hunsrueck.de/Artikel/autowert-cmx57bd39372c1d3


Filmabend NO LAND'S SONG


musikalischer Abend mit der Band MischMasch


Mensch Leute: Sandra Menzel 

Büchenbeuren - 1.700 Einwohner, eine kleine Gemeinde im Hunsrück. Sandra Menzel ist hier Pfarrerin. Letzten Sonntag hat sie gleich drei Säuglinge in der Dorfkirche getauft - neue Christenmenschen. In Büchenbeuren aber leben auch über 100 Flüchtlinge. Menschen aus Syrien, Somalia, Afghanistan oder Eritrea, die ihre Heimat verlassen mussten. Sie suchen Frieden und Sicherheit, viele sind traumatisiert. Keine leichte Situation - auch für die Menschen im Dorf. Wie Integration schaffen, wie Vorurteile abbauen?


Rückblick 2015


Monitor 

Grenzen dicht: Europas Pakt mit Despoten 23.7.15

Samuel aus Büchenbeuren
Samuel aus Büchenbeuren

Georg Restle: „Es gehört ja zum ewigen Credo deutscher und europäischer Flüchtlingspolitik, dass man die Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen will. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Mehr Demokratie oder mehr Unterdrückung? Und wer soll da wirklich bekämpft werden? Die Diktaturen oder die Flüchtlinge? Bisher haben Europas Regierungen ihre konkreten Pläne zur Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten unter Verschluss gehalten. Vielleicht auch deshalb, weil ein Pakt mit Despoten so gar nicht zum Bild einer Europäischen Union passt, die für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte stehen will. Nikolaus Steiner und Charlotte Wiedl konnten die bisher unveröffentlichten Pläne einsehen.“

Frank-Walter Steinmeier: „Wir müssen an die Ursachen der Fluchtgründe heran.“

Thomas de Maizière:„Die Tragödie hat ihre Ursachen in den Ursprungsländern.“

Angela Merkel:„Wir werden an der Überwindung der Fluchtursachen arbeiten.“

Die Fluchtursachen in Afrika: Hunger, Krieg, Sklavenarbeit und Folter. Fluchtursachen, für die auch diese Machthaber verantwortlich sind. Die Präsidenten von Südsudan, Sudan und Eritrea. Seit November verhandelt die EU mit diesen und anderen afrikanischen Staaten darüber, wie man Fluchtursachen bekämpfen und illegale Migration beenden kann. Im sogenannten „Khartum-Prozess“.

Selmin Çalişkan, Generalsekretärin Amnesty International Deutschland: „Es ist ein ganz absurder Vorgang, dass die EU, die ja wirklich auf den Menschenrechten aufgebaut ist, sich mit Staaten an einen Tisch setzt, die für Menschenrechtsverletzungen in höchster Weise verantwortlich sind.“

Zum Beispiel Eritrea. Der Menschenrechtsbericht der Bundesregierung spricht von einem „diktatorischen“ Regime, von einem Machthaber, der die eigene Bevölkerung massiv unterdrückt. Vor wenigen Wochen veröffentlichen die Vereinten Nationen einen Bericht über die Situation dort. Von einem repressiven System ist die Rede. Menschen würden dort willkürlich verhaftet, gefoltert, verschwänden spurlos und würden ohne Gerichtsurteil hingerichtet. Scharfe Kritik am Regime in Eritrea, auch von den Abgeordneten der Regierungskoalition.

„Folter, jahrelange Zwangsarbeit …“ „Es gibt keine Parteien, keine freien Medien, schon erst recht keine internationalen. Keine Gewerkschaften.“ „Hinrichtung und unsägliche Haftbedingungen.“ „Frauen und Mädchen werden innerhalb der Armee, innerhalb dieses Dienstes als Sexsklaven gehalten.“

Er ist diesem Regime entflohen. Samuel hat mehrere tausend Dollar an Schlepper bezahlt, damit sie ihn über Libyen nach Europa bringen, erzählt er uns. Eine monatelange, lebensgefährliche Reise. Aber alles besser als in Eritrea zu bleiben, sagt er.

Samuel (Übersetzung Monitor): „Du hast nur drei Möglichkeiten, wenn du in Eritrea lebst. Entweder du wirst ein Arbeitssklave der Regierung. Oder - wenn du dich weigerst - kommst du ins Gefängnis. Oder fliehst, so wie ich es gemacht habe.“

Der Zwanzigjährige und seine Freunde sind geflohen, weil sie die Zwangsarbeit nicht mehr aushielten. Wochenlang musste der damals minderjährige Samuel im Steinbruch schuften, bis er krank wurde und ins Gefängnis kam.

Samuel (Übersetzung Monitor): „Sie haben einen Mann mit dem Stock geschlagen. Dann haben sie ihn angekettet und weiter verprügelt. Er hat furchtbar geschrien, aber sie haben nicht aufgehört zu schlagen. Ich hatte wirklich furchtbare Angst damals.“

Eritrea. Aus keinem anderen afrikanischen Land kommen so viele Flüchtlinge zu uns. Rund 13.000 Asylanträge allein im letzten Jahr. Die meisten werden anerkannt. Vertrauliche Verhandlungspapiere der EU, die Monitor vorliegen belegen, wie eng die EU künftig mit dem Regime von Eritrea zusammenarbeiten will. Im Anhang eine ganze Liste mit konkreten Projekten. Deren Ziel zum Beispiel: Eine Stärkung der Institutionen der Regierung, auch um Fluchthelfer zu bekämpfen.

Günter Burkhardt, Geschäftsführer Pro Asyl: „Das Ziel der europäischen Politik ist es, Flüchtlinge fernzuhalten. Koste es, was es wolle. Und es gibt keine Schamgrenze mehr in der Kooperation. Mit einer Militärdiktatur, wie zum Beispiel Eritrea darf man nicht kooperieren, mit dem Ziel Flüchtlinge fernzuhalten. Die Opfer dieser Diktatur sollen in der Diktatur bleiben. Das ist das Ziel der europäischen Regierungen.“

Und es geht nicht nur um Eritrea. Auch die Nachbarstaaten sind offenbar enge Kooperationspartner der EU. Zum Beispiel der Sudan. Hier soll laut Verhandlungsunterlagen sogar ein regionales „Trainingszentrum“ etabliert werden, um Menschenhandel zu bekämpfen. Und das, obwohl der sudanesische Diktator seit Jahren wegen Völkermords und Kriegsverbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird. Oder Südsudan. Wo Hunderttausende Menschen vor Massenvergewaltigungen und Massenerschießungen fliehen, die auch von den Regierungstruppen des südsudanesischen Präsidenten begangen werden sollen. Ausgerechnet hier will Europa das „Grenzmanagement“ verbessern. Europa stützt Regime, die Menschen unterdrücken und zur Flucht treiben? Nachfrage beim zuständigen EU-Kommissar.

Dimitris Avramopolous, EU-Kommissar für Migration (Übersetzung Monitor): „Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir es dabei mit autoritären Regimen zu tun haben, mit Diktaturen. Aber für uns ist das Wichtigste, dass die vielen verzweifelten Menschen Schutz bekommen. Also nehmen wir diese Staaten mit an Bord, ohne deren Regime damit zu legalisieren. Sie bekommen von uns keine politische oder demokratische Legitimation. Wir konfrontieren sie nur mit ihrer Verantwortung.“

Zu den konkreten Projekten schweigt der Kommissar. Keine Legitimation von Diktatoren? Die vertraulichen Papiere zeigen etwas anderes. Ein zentrales Trainingszentrum soll an der Polizeiakademie in Kairo etabliert werden. Sudanesische Beamte sollen im Migrationsmanagement geschult werden. Im Fokus steht das Training von Polizei und Strafverfolgungsbehörden.

Lotte Leicht, EU-Direktorin Human Rights Watch (Übersetzung Monitor): „Die EU geht ja nicht blind solche Kooperationen ein, sondern sie weiß ganz genau, was das für Unrechtsregime sind. Es geht Europa nicht darum, diese Staaten zur Rechenschaft zu ziehen oder die Situation für die Menschen dort zu verändern, zu verbessern. Das einzige Ziel der EU ist es, die Menschen von Europa fernzuhalten.“

Und Deutschland? Aus einer Antwort der Bundesregierung geht eindeutig hervor, dass Deutschland die treibende Kraft bei der Kooperation mit den afrikanischen Staaten ist.

Zitat:„Deutschland hat den Khartum-Prozess mitinitiiert und maßgeblich mitgestaltet.“

Warum aber setzt die Bundesregierung auf repressive Maßnahmen? Auf einen Schulterschluss mit Diktatoren statt Bürgerrechtlern? Ein Interview bekommen wir weder mit dem Innen-, noch mit dem Außenminister. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagt uns:

Zitat: „Die (…) Projekte stellen Vorschläge (…) dar, deren Förderfähigkeit derzeit geprüft­ wird.“

Für den eritreischen Flüchtling Samuel ist das wie ein Schlag ins Gesicht. Seine Freunde und er können nicht verstehen, warum Deutschland und die EU mit der Militärdiktatur kooperieren, vor der sie geflohen sind.

Samuel (Übersetzung Monitor): „Die EU und Deutschland sollten uns helfen, dass die Regierung in Eritrea sich ändert. Wenn das geschieht, dann wird das vielleicht Frieden bringen.“

Georg Restle: „Im Zusammenhang mit der Griechenlandkrise hat ja auch die Kanzlerin immer wieder von einer europäischen Wertegemeinschaft gesprochen. Offensichtlich ist dabei der Schulterschluss mit Diktaturen jetzt inbegriffen.“


Hunsbunt

Bericht in der RHZ 


Der Präses zu Besuch in Büchenbeuren

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lange Version


Ein Miteinander von Kulturen

Wochenspiegel

Seit Juni vergangenen Jahres haben Flüchtlinge eine Anlaufstelle in Büchenbeuren: Im Café International erhalten Männer, Frauen und Kinder nicht nur kostenlos Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs, sie haben hier auch einen Platz, an dem sie sich treffen können und wo es vor allem von den ehrenamtlichen Mitarbeitern Hilfe zur Integration gibt.

 

Begonnen hat alles, als im vergangenen Jahr drei Flüchtlinge aus Aleppo im evangelischen Gottesdienst erschienen und um Hilfe baten. Nach dem rasanten Anstieg an Flüchtlingszahlen in der Hunsrücker Ortsgemeinde - derzeit sind hier von knapp 1 700 Einwohnern 140 Flüchtlinge - war der evangelischen Kirchengemeinde klar, es muss sich etwas tun. So entstand die Idee von einem Ort der Begegnung für Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen.

Schnell viele Helfer gefunden

»Die Hilfe für die Neuankömmlinge war einfach nicht mehr leistbar über das Pfarramt, zum Glück haben wir schnell Ehrenamtliche gefunden, die uns hier unterstützen wollten«, blickt Sandra Menzel, Pfarrerin in Büchenbeuren, zurück. Mit dem Gebäude in der Hauptstraße 54 wurden auch geeignete Räumlichkeiten gefunden. Die Flüchtlinge finden hier ganz konkrete Hilfsangebote.

So wird in den Räumen eine professionelle Migrationsberatung von der Diakonie angeboten. Sie können sich kostenlos mit Bekleidung und Dingen des täglichen Bedarfs ausstatten. Es gibt einen Deutschkurs, den Ehrenamtliche anbieten, ein Internet-Café sowie Kaffee, Kuchen und Tee, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern serviert werden. Auch eine professionelle Therapie für Traumatisierte wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern angeboten. Hilfe gibt es auch beim Gang zum Amt, dem Ausfüllen von Formularen, etwa für die GEZ, oder der Anmeldung der Kinder in der Schule.

Wohnungssuche gestaltet sich schwierig

Ganz wichtig auch: Die Job- und Wohnungssuche. Gerade Letztere gestalte sich schwierig, weiß Menzel. »Wir sind immer auf der Suche nach Wohnungen für die Flüchtlinge, kleinen Appartements und WG-geeignet. Die Finanzierung dabei ist gesichert, es muss keiner Angst um die Miete haben«, appelliert sie.Mittlerweile engagieren sich im Café die Flüchtlinge selber, aber auch viele Einheimische, insgesamt rund 60 Menschen.

»Wir wollen Ängste abbauen durch Aufklärung«, betont Menzel. »Man sieht ja was in Dresden passiert, wo es keine Aufklärung gibt, keinen Kontakt zu den Leuten.« Integration geschehe durch ganz banale Kleinigkeiten, sagt die Pfarrerin, etwa wenn man den Flüchtlingen Mülltrennung erklärt. »Nicht dass es nachher heißt, die schmeißen einfach alles in den Hausmüll. In Somalia ist das Prinzip ja nicht bekannt.«

"Auf die Leute zugehen und Kontakt suchen"

Ganz offensiv auf die Leute zugehen, Kontakt suchen und halten, das sei wichtig. »Den Einheimischen erklären, warum diese Leute eigentlich hier sind, ist sehr hilfreich. Wir wollen so viele Menschen mit ins Boot holen wie möglich«, erklärt Sandra Menzel.Auch mit zahlreichen Aktionen versucht das Café-Team, Einheimische und Flüchtlinge zusammenzubringen, erzählt Bernd Mauerhof, der sich hier regelmäßig engagiert. So findet beispielsweise zweimal im Monat ein Kochabend statt, bei dem die Flüchtlinge landestypische Speisen kochen. Auch am Weihnachtsmarkt hat sich das Café schon präsentiert und der Büchenbeurer Kindergarten ist regelmäßig zu Gast im Café. In den örtlichen Sportvereinen dürfen die Neuankömmlinge kostenlos trainieren, sogar eine eigene Fußballmannschaft hat das Café mittlerweile, den FFC United Büchenbeuren. Die Mannschaft ist übrigens noch auf der Suche nach einem Trainer.

Unterschiedliche Kulturen und Einheimische kommen zusammen

Die Idee des Café International ist neben der Integrationshilfe ein Miteinander von unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen. »Im Café ist jeder willkommen«, betont Anna Werle, Pastoralreferentin im Dekanat Simmern-Kastellaun. Jeder darf vorbeikommen, sich informieren und Kontakte knüpfen. »Wer eine Idee hat, sich engagieren möchte, darf sich gerne bei uns melden«, so die Referentin. Momentan wird ein Theaterstück unter Regie von Hotte Schneider geplant, ein interkulturelles Theater soll es werden. Dafür werden noch Darsteller im Alter von 16 bis 26 Jahren gesucht. Und wer ein Fahrrad abzugeben hat: Die werden im Café International dringend gebraucht. Weitere Informationen gibt es unter www.cafe-international-buechenbeuren.de.

erschienen 4.3.15 Wochenspiegel  


Mittagsmagazin: Flüchtlingshilfe in Büchenbeuren


Flüchtlingsarbeit in der rheinischen Kirche

Die schlimmen Bilder sind nach wie vor präsent, sie quälen ihn auch jetzt noch. Es fällt Kamiran Mohammed sichtlich schwer, von seiner Flucht zu erzählen. Der 28-jährige Ingenieur stammt aus Aleppo.

 

Gemeinsam mit seinem Bruder engagierte er sich in Syrien gegen das Assad-Regime, sein Bruder wurde gefangen genommen, seine Mutter drängte ihn zur Flucht. Über Griechenland und Italien gelangte er nach Deutschland, seit eineinhalb Jahren lebt er nun in Büchenbeuren im Hunsrück.

„Zunächst fühlte ich mich hier sehr allein und einsam“, erzählt er. Kein Fernsehen, kein Internet, er kann kein Deutsch, er hat keinen Kontakt zu seiner Familie in Syrien. „Bis heute weiß ich nicht, ob mein Bruder überhaupt noch lebt“, sagt er und man merkt, wie belastend die Erinnerungen sind, die beim Erzählen wieder wach werden. Nur stockend berichtet er, wie sein Boot im Mittelmeer bei der Flucht kenterte und er mit Glück überlebte. Oder über seine Erlebnisse in griechischen und italienischen Flüchtlingslagern.

Auch der 24-jährige Said Jama Mahamud kann von solchen Erlebnissen erzählen. Er stammt aus Somalia, ihm gelang die Flucht nach Äthiopien, von dort gelangte er mit einem Flugzeug nach Europa. Auch er lebt nun in Büchenbeuren. Seine Frau und seine zweijährige Tochter sind noch in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land. Und die Sorgen um sie sind groß.

 

Quälende Erinnerungen

„Ich hoffe, dass ich sie auch nach Deutschland holen kann, wenn ich hier als Flüchtling anerkannt bin“, sagt er. Doch auch ihn quälen die Erinnerungen an seine Heimat. „Ich kann den Krieg nicht vergessen, ich habe Angst vor dem, was dort passiert“, erzählt Said Jama Mahamud.

Es sind Menschen wie Kamiran Mohammed und Said Jama Mahamud, die in Büchenbeuren im „Café Intern@tional“ ein Stück Heimat gefunden haben. Café Intern@tional, das ist für die Flüchtlinge in dem Hunsrückort zu einer wichtigen Anlaufstelle und zu einer Begegnungsstätte geworden. „Wir wollten hier einen Ort für Begegnungen zwischen Einheimischen und den Flüchtlingen schaffen, wo sich die Menschen kennenlernen, von ihrem Leben erzählen und sich miteinander austauschen können“, erzählt die evangelische Pfarrerin Sandra Menzel.

Helferinnen und Helfer aus der Gemeinde sind hier gemeinsam mit Flüchtlingen tätig, organisieren die Arbeit im Café und finden auch so rasch Kontakt zueinander. Büchenbeuren ist ein Ort im Hunsrück mit rund 1700 Einwohnerinnen und Einwohnern. Mehr als 120 Flüchtlinge sind mittlerweile hier untergebracht, aus Ostafrika, dem Nahen Osten, Afghanistan. Viele traumatisiert von schrecklichen Erlebnissen, die sie mitmachen mussten.

 

Flüchtlingen ein Stück Heimat geben

Für den kleinen Ort also eine große Aufgabe, der sich die Hunsrücker aber entschlossen stellen. Pastoralreferentin Anna Werle: „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, diesen Menschen, die Zuflucht suchen, hier ein Stück Heimat zu geben." Protestanten und Katholiken arbeiten Hand in Hand. Die Evangelische Kirche im Rheinland, der Kirchenkreis Simmern Trarbach und das Bistum engagieren sich hier finanziell gemeinsam. Dazu kommen zahlreiche Spenden von Christinnen und Christen aus dem ganzen Hunsrück.

Doch auch vor Ort ist die Hilfsbereitschaft groß. Möbel, Kleidung oder Alltagsgegenstände werden für die Flüchtlinge gespendet, es gibt Fahrdienste und Deutsch-Unterricht. Büchenbeuren war in den 1990er Jahren schon einmal Ziel, damals kamen zahlreiche Russlanddeutsche, wurden heimisch. Das hat geprägt.

Viele empfinden dies auch als gelebtes Christentum. „Ich sehe hier Menschen, die in der Gemeinde eigentlich noch nie aufgetaucht sind, nun aber sagen, dass das hier gelebte Kirche ist, wo sie sich einbringen wollen“, meint Sandra Menzel.

 

Helfer im Café sind wie Familie

Und für die Flüchtlinge wird dadurch der Aufenthalt im Hunsrück spürbar leichter. „Viele haben mich gefragt, wie ich es in einem so kleinen Ort aushalte, nachdem ich bisher in einer Millionenstadt wie Aleppo gelebt habe“, sagt Kamiran Mohammed und fügt überzeugt hinzu: „Hier finde ich Frieden und Ruhe.“ Said Jama Mahamud nennt die Helfer im Café „seine Familie".

Die Hilfsbereitschaft ist dabei groß. Als bei Kamiran Mohammed die Abschiebung drohte, bot ihm die evangelische Kirchengemeinde ohne Zögern Kirchenasyl in der Sakristei an. Und trotz der für ihn in dieser Zeit sehr ungewissen Situation betont er: „In der Kirche habe ich mich das erste Mal ganz sicher gefühlt.“ Nun ist er als Flüchtling anerkannt, über Praktika versucht er, beruflich Fuß zu fassen. Er hofft darauf, dass seine Familie bald noch nachkommen kann. Und hier alle in Frieden leben können.

 

Das Engagement bringt Frieden ins Dorf

Es sind solche Geschichten, die Sandra Menzel und Anna Werle in ihrer Arbeit bestätigen. Die Pastoralreferentin sagt: „Es ist toll, zu sehen, wie viele Menschen hier ehrenamtlich mithelfen, sich engagieren oder einbringen. Und es ist ein schönes Gefühl, zu erleben, wie die Menschen, die viel Schlimmes erleben mussten, nun ein wenig zur Ruhe kommen können.“ Das bringe auch Frieden in das Dorf.

Begonnen hatte alles in der evangelischen Kirchengemeinde, im April 2013. Fünf syrische Flüchtlinge kamen in die Kirche und wollten Kontakte knüpfen. Das war der Beginn einer aufregenden Entwicklung. Rasch wurde das Pfarrhaus zur Anlaufstelle für Alltagsprobleme und Fragen der hilfesuchenden Menschen. Es wurden Informationsabende organisiert, die Idee eines offenen Treffs geboren und realisiert, mittlerweile gibt es mit Jenny Schulmerisch auch eine Ehrenamtskoordinatorin für die Flüchtlingsarbeit in Büchenbeuren.

Pfarrerin Menzel ist überzeugt: „Hier wird das Bibelwort konkret: Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“

 

http://www.ekir.de/www/service/buechenbeuren-18265.php?desktop=1


Rhein-Hunsrück-Kreis hat seit Januar 225 Asylbewerber aufgenommen

Von RHZ Redakteur Wolfgang Wendling (erschienen am 30.10.1014)

 

Seit Sommer 2012 hat die Kreisverwaltung insgesamt 511 Personen, die einen Erstantrag auf Asyl oder - sofern der erste Antrag abgelehnt wurde - einen Folgeantrag stellten, in von ihr angemieteten Wohnungen untergebracht. Von diesen 511 Personen, haben mittlerweile 158 den Kreis verlassen. Bleiben also noch 353 Personen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind und bei uns einen Neuanfang wagen möchten. 281 von ihnen stehen derzeit "im Leistungsbezug des Kreises". 61 beziehen Hartz IV, wobei der Kreis die Kosten der Unterkunft trägt.

Diese Zahlen hat Wolfgang Wagner, Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, von der Kreisverwaltung auf Anfrage erhalten. Wie andere Bürger auch sorgt sich Wagner, der in Kirchberg wohnt, um die menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge, von denen viele traumatisiert sind. Neben den Serben stellen die Syrer die größte Gruppe unter den Flüchtlingen.

Soziale Brennpunkte im Kreis vermeiden

Wagner hat aber auch die gesamtgesellschaftliche Dimension im Blick. "Uns ist es wichtig, dass keine sozialen Brennpunkte im Kreis entstehen. Deshalb fordern wir eine gerechte Verteilung der Asylbewerber."

Noch sind keine sozialen Brennpunkte feststellbar. Durch die Anmietung einzelner Wohnhäuser werden ganz bewusst Sammelunterkünfte vermieden. Von "gerechter Verteilung" auf die einzelnen Verbandsgemeinden und die Stadt Boppard kann aber tatsächlich nicht die Rede sein. Die Hauptlast hat die VG Kirchberg zu tragen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Kreisverwaltung auf die Angebote auf dem freien Wohnungsmarkt angewiesen ist. So haben in den angemieteten Wohnhäusern insgesamt 315 Personen Platz.

Die meisten Asylbewerber leben in der VG Kirchberg

202 Asylbewerber sind derzeit in der VG Kirchberg untergebracht, davon 113 in Büchenbeuren und 58 in der Stadt Kirchberg. 45 Plätze stehen in Wohnungen der VG Kastellaun zur Verfügung, 35 in der VG Simmern, 20 in der VG Emmelshausen und 15 in St. Goar-Oberwesel. In der Stadt Boppard gibt es derzeit überhaupt keinen Wohnraum für die neu ankommenden Flüchtlinge.

Nach eigenem Bekunden tut die Kreisverwaltung alles, um soziale Brennpunkte zu vermeiden. Dies gelingt auch dank des Engagements ehrenamtlicher Helfer. Die Beamten loben ausdrücklich die Integrationsarbeit des im Juli eröffneten "Café Intern@tional" in Büchenbeuren. Bevor die Kreisverwaltung Asylbewerber in den angemieteten Wohnungen unterbringt, bespricht sie sich mit den jeweiligen Verwaltungen, kirchlichen Organisationen und Migrationsdiensten. Um die anfallenden Aufgaben infolge des rasanten Anstieges der Asylbewerber bewältigen zu können, könnte es sich Wolfgang Wagner vorstellen, den Migrationsbeirat des Kreises, der in den 90er-Jahren aufgrund der Aussiedlerzuzüge installiert wurde, wieder ins Leben zu rufen.

http://mobil.rhein-zeitung.de/startseite_artikel,-Rhein-Hunsrueck-Kreis-hat-seit-Januar-225-Asylbewerber-aufgenommen-_arid,1226720.html


Café International startet in Büchenbeuren

 

Mittwoch, 9. Juli 2014

Café Intern@tional startet in Büchenbeuren

Ökumenisches Flüchtlingsprojekt soll Begegnung und Austausch ermöglichen

Freiwillige Helfer bei der Renovierung des Café-International
Freiwillige Helfer bei der Renovierung des Café-International

Büchenbeuren – Sie haben gesägt und gehämmert, gestrichen und dekoriert: Ehrenamtliche aus Büchenbeuren und im Dorf untergebrachte Flüchtlinge haben gemeinsam ein ökumenisches Pilotprojekt für Flüchtlinge auf die Beine gestellt: Das Café Intern@tional, das am 13. Juli um 15 Uhr in Büchenbeuren mit einer Andacht eröffnet wird. Direkt neben der evangelischen Kirche an der Hauptstraße gelegen, wird das Café neben einem Internetcafé auch einen kleinen Umsonstladen umfassen – Büchenbeurener und Flüchtlinge werden sich hier ehrenamtlich engagieren.

„Wir wollten einen Ort für Begegnungen zwischen Einheimischen und den hier  untergebrachten Flüchtlingen schaffen. Im Café können sich die Leute kennenlernen, von ihrem Leben erzählen. Nebenbei werden so Vorurteile abgebaut“, sagt die evangelische Pfarrerin Sandra Menzel von der evangelischen Kirchengemeinde Büchenbeuren. Gemeinsam mit dem Dekanat Simmern-Kastellaun sei der Plan entstanden, sich verstärkt für die Flüchtlinge im Rhein-Hunsrück-Kreis einzusetzen. Allein im Jahr 2013 hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 156 Flüchtlinge im Kreis untergebracht, allein 70 davon in Büchenbeuren – einem Dorf mit rund 2.000 Einwohnern. Letztes Jahr im April sei es losgegangen, erzählt Menzel: „Damals standen plötzlich syrische Flüchtlinge in der Kirche, die Kontakt knüpfen wollten.“ Danach sei das Pfarrhaus häufig die erste Anlaufstelle für Alltagsprobleme und Fragen gewesen: „Wie geht das mit Arztbesuchen oder Behördengängen, wie komme ich nachts nach Simmern, wenn meine Frau ihr Kind bekommt? - Es ist schnell klar geworden, dass ein eigener Treffpunkt wünschenswert ist, wo einfach jemand da ist, der zuhört.“

Hinzu komme auch die Wohnsituation der Frauen, Männer und Kinder aus Krisenländern wie Syrien oder Afghanistan, erklärt Pastoralreferentin Anna Werle vom Dekanat Simmern-Kastellaun. In Büchenbeuren gebe es zwar viel leerstehenden Wohnraum, trotzdem lebten bis zu neun Personen in einer Wohnung. Viel Platz für Privatsphäre bleibe da nicht. „Was als Übergangslösung gedacht war, wird durch die Überlastung der Behörden mit den vielen Asylverfahren oft zum Dauerzustand“, sagt Werle. Das Café biete da einen Rückzugsort. „Eine unserer wichtigsten Seelsorge-Aufgaben heißt ‚Menschen eine Heimat geben’ und das gilt gerade für die, die bei uns Zuflucht suchen.“ Im nächsten Jahr erwarte der Kreis noch einmal 200 Flüchtlinge. „Also haben wir auf einer Fachkonferenz mit Diakonie, Caritas, Kirchenvertretern und Ehrenamtlichen beschlossen, uns besser zu vernetzen. Das klappt auch bis in die Kreisverwaltung hinein sehr gut.“ Bei einem Informationsabend in Büchenbeuren hätten viele Hunsrücker ihren ehrenamtlichen Einsatz angeboten und die Idee eines offenen Treffs sei geboren worden. „Ob jemand die Kosten für den Sportverein für einen jungen Syrer übernimmt, Kaffee im Café kocht oder im Umsonstladen eine Schicht übernimmt – es ist toll, wie viele Menschen mithelfen wollen“, sagt Werle. „Ökumene gibt es in vielen Bereichen, aber selten habe ich erlebt, dass man sich so schnell einig war. Hier wird Kirche konkret, hier wird was gemacht“, sagt Pfarrerin Menzel über die Flüchtlingsarbeit der beiden Kirchen. „Unsere Grundüberzeugung kann man auf ein Bibelwort zurückführen: ‚Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.’“

Das Café Intern@tional wird geöffnet sein montags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr und dienstags von 10 bis 13 Uhr. Wer für das Café spenden möchte, kann das tun unter: Kreiskirchenamt, Kontonummer: 11230927, Stichwort/Zweck: Flüchtlingsarbeit Büchenbeuren bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, BLZ 56051790.

http://www.bistum-trier.de/no_cache/news-details-social-tab/pressedienst/detail/News/cafe-interntional-startet-in-buechenbeuren/

 


Café Intern@tional soll Flüchtlingen ein Stück Heimat geben

Rhein-Hunsrück-Zeitung, 16.7.2014

 

Büchenbeuren – Das Wort "Willkommen" steht in vielen Sprachen im Café Intern@tional in Büchenbeuren, das am Sonntag mit einer Feierstunde eröffnet wurde. Diesen vielsagenden Begriff hatte Pfarrerin Sandra Menzel auch gewählt, um die Gäste zu begrüßen. "Wir wollen Flüchtlingen und Einheimischen einen Ort der Begegnung anbieten und Menschen aus Krisengebieten ein Stück neues Zuhause geben", sagte sie.

 

Mit einer Feierstunde wurde das Café Intern@tional in Büchenbeuren eröffnet. Die Flüchtlinge dankten Pfarrerin Sandra Menzel und Jenny Schulmerisch für ihre Unterstützung.
Mit einer Feierstunde wurde das Café Intern@tional in Büchenbeuren eröffnet. Die Flüchtlinge dankten Pfarrerin Sandra Menzel und Jenny Schulmerisch für ihre Unterstützung.

 

In Büchenbeuren wohnen mittlerweile 70 Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, dem Iran, Eritrea und Somalia. Was andere Gemeinden vielleicht erschrecken würde, ist hier kein unlösbares Problem. In der Hunsrückgemeinde hat man viel Erfahrung mit Menschen fremder Nationen. In den 50er-Jahren kamen die Amerikaner, nach deren Wegzug waren es Aus- und Übersiedler aus Russland. Mit dem "Begegnungshaus" half man diesen Menschen, in der Region Fuß zu fassen.

Heute sind es Flüchtlinge aus Krisengebieten, die hier eine neue Heimat suchen. Und wieder sind es die Büchenbeurener, die sich spontan engagieren. Freilich können sie diese Aufgabe nicht allein stemmen. Viele Institutionen sind beteiligt und haben eine Vernetzung beschlossen. Mit dem Café Intern@tional möchte man die Welt ganz konkret ein bisschen menschlicher und interessanter gestalten und damit das Miteinander von unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Gruppen fördern.

 

Nur 20 überlebten Marsch durch die Wüste

Die meisten Flüchtlinge kommen mit dem Boot über Italien nach Europa. Die erste große Herausforderung bedeutet der Weg zum Boot durch die Wüste. Ein Flüchtling aus Somalia erzählt, dass von den 100 Menschen, die mit ihm aufgebrochen sind, nur 20 den Marsch überlebt haben - die anderen sind verdurstet. Jeder hat hier seine eigene Geschichte zu erzählen, die meist von großem Leid geprägt ist.

Zur Eröffnung des Cafés konnte Pfarrerin Sandra Menzel viele Flüchtlinge, Einwohner und weitere Gäste begrüßen. Landtagspräsident Joachim Mertes war gekommen, ebenso Dr. Hans-Günther Ullrich vom Bistum Trier, Dechant Ludwig Krag und Superintendent Horst Hörpel als Vertreter der Kirchengemeinden, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchberg, Harald Rosenbaum, Büchenbeurens Ortsbürgermeister Guido Scherer, Bürgermeister Dix aus Niederweiler und Fredi Berg von der Kreisverwaltung des Rhein-Hunsrück-Kreises. Joachim Mertes brachte es mit einem Satz auf den Punkt: "Kümmert Euch immer um die anderen!" und machte damit deutlich, das jeder Mensch für den anderen Verantwortung trägt.

 

Weltpolitik ist bei Flüchtlingsproblem gefragt

Bürgermeister Rosenbaum sieht bei dem Flüchtlingsproblem vor allem die Weltpolitik in der Pflicht und forderte sie zum Handeln auf. Es wurden Gebete um Frieden gesprochen, Musik gemacht und in verschiedenen Sprachen gesungen.

Die Feier nahmen die Flüchtlinge zum Anlass, sich bei Pfarrerin Sandra Menzel und Jenny Schulmerisch, die zur Ehrenamtskoordinatorin berufen wurde, zu bedanken. Denn sie waren es, die ihnen über die schwierige Anfangszeit im Hunsrück mit viel Wärme und Engagement hinweghalfen. Sandra Menzel dankte allen, die das Projekt ermöglicht haben und ganz besonders den ehrenamtlichen Helfern.

 

Von Gisela Wagner

 

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/hunsrueck_artikel,-Buechenbeuren-Cafe-Intern%40tional-soll-Fluechtlingen-ein-Stueck-Heimat-geben-_arid,1181218.html#.U8b4sGnwDIV